{"id":548,"date":"2016-01-19T15:47:16","date_gmt":"2016-01-19T15:47:16","guid":{"rendered":"https:\/\/vierbrau.de\/?p=548"},"modified":"2016-11-08T19:07:36","modified_gmt":"2016-11-08T19:07:36","slug":"petra-paulsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vierbrau.de\/?p=548","title":{"rendered":"Interview mit Petra Paulsen"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auszug aus: ERLANGEN Bier- und Braukultur 2016<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-551\" src=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Willy-in-Bier-und-Braukultur-2016-300x167.png\" alt=\"Auszug aus: ERLANGEN Bier- und Braukultur 2016\" height=\"167\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Willy-in-Bier-und-Braukultur-2016-300x167.png 300w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Willy-in-Bier-und-Braukultur-2016-768x429.png 768w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Willy-in-Bier-und-Braukultur-2016-1024x572.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Interview mit Petra Paulsen im &#8222;ERLANGEN Bier- und Braukultur Magazin 2016&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr <strong>Petra \u201eWilly\u201c Paulsen<\/strong> ist Bier mehr als ein Mittel zum Zweck, um den Durst zu l\u00f6schen. F\u00fcr sie steckt im Gerstensaft ein ganzes Lebensgef\u00fchl. Dieses lebt die Hobbybrauerin mehrmals im Jahr selbst aus. Au\u00dferdem setzt sie sich als Vorstandsmitglied des Vereins zur F\u00f6rderung der Fr\u00e4nkischen Braukultur daf\u00fcr ein, da<span style=\"color: #000000;\">ss das Kult<\/span>urgut Bier hochgehalten wird und eines nicht in Vergessenheit ger\u00e4t: Einst war Erlangen das Biermekka schlechthin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Bier-und-Braukultur.pdf\">[PDF Download]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Liebe Frau Paulsen, Sie engagieren sich als Vorstandsmitglied des Vereins zur F\u00f6rderung der Fr\u00e4nkischen Braukultur f\u00fcr den heimischen Gerstensaft. Woher r\u00fchrt ihre Liebe zum Bier?<\/em><\/span><br \/>\nDaran schuld ist letztendlich eine Brauereif\u00fchrung bei Kitzmann, die ich 1997 \u00fcber die Erlanger Nachrichten gewonnen habe. Der Rundgang dort und das Gezeigte haben mich sehr beeindruckt. Zuvor hatte ich wenig Ahnung davon, was es hei\u00dft, Bier zu brauen. Einzig der Spruch \u201eHopfen und Malz, Gott erhalts&#8220; war mir gel\u00e4ufig. Ein paar Wochen sp\u00e4ter habe ich dann zuf\u00e4llig im Angebot der Volkshochschule den Kurs \u201eBier selbst brauen&#8220; entdeckt. Das war wohl mein Schicksal (lacht). F\u00fcr mich war unbegreiflich, dass man das, was ich bei der Brauereif\u00fchrung habe kennenlernen d\u00fcrfen, auch in den heimischen vier W\u00e4nden selbst machen kann. Aus dieser Neugierde heraus habe ich meinen Freund und mich kurzerhand f\u00fcr den Kurs bei Walter Simon angemeldet, der seit mehr als 25 Jahren dem Hobbybrauernachwuchs jeden Alters die Kunst der handwerklichen Bierherstellung beibringt. Dann haben die Dinge ihren Lauf genommen. Das Bierbrauen war letztlich n\u00e4mlich doch einfacher als gedacht und was noch viel wichtiger ist: Das selbstgebraute Bier hat direkt geschmeckt (lacht). Davon motiviert, sind wir direkt am Ball geblieben. So bin ich zum Bier gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Das Bierbrauen hat Sie seitdem nicht mehr losgelassen und Sie haben sogar eine eigene Hobbybrau-Gruppe gegr\u00fcndet.<\/em><\/span><br \/>\nSeither braue ich selbst, das stimmt. Mit einem 20 Liter Einwecktopf haben wir direkt auf dem heimischen Balkon weitergemacht. Wir haben uns dann peu a peu gesteigert: Von einem Schlachtkessel mit einem Fassungsverm\u00f6gen von 70 Litern, hin zu drei mobilen Kesseln, in denen wir bereits kurze Zeit sp\u00e4ter gebraut haben. Wir sind mittlerweile eine Gruppe von 15 Freunden, die viermal im Jahr selbst braut. Das ist jedes Mal ein gro\u00dfes Fest. Wir treffen uns bereits morgens in unserem Garten. Wir grillen, trinken ein F\u00e4sschen vom letzten Mal, die Kinder sind mit dabei, jeder packt mit an, r\u00fchrt im Sudkessel. Manche bleiben den ganzen Tag, andere wiederum kommen nur zum Aufr\u00e4umen. Das Bierbrauen hat also auch eine verbindendende Funktion. Es ist mehr als ein Mittel zum Zweck, um den Durst zu l\u00f6schen. Im Bier steckt ein ganzes Lebensgef\u00fchl. Wir brauen letztlich nur f\u00fcr uns, damit wir beim n\u00e4chsten Brauen etwas zu trinken haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Woher kommt der Name \u201eVierbr\u00e4u\u201c, den Ihre Hobbybrau-Gruppe hat?<\/em><\/span><br \/>\nDer Name ist bereits w\u00e4hrend des Volkshochschulkurses entstanden. Ich hatte uns damals zu dritt angemeldet, der Kurs war eigentlich bereits ausgebucht, aber Walter Simon hat uns dankenswerterweise doch noch alle drei mit aufgenommen. Nur bestand unsere Braugruppe dann eben aus vier und nicht wie die anderen aus drei Mitgliedern. Damit war klar, wir nennen uns \u201eVierbr\u00e4u&#8220;. Dieser Name ist geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Auf was kommt es beim Bierbrauen an?<\/em><\/span><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-553 alignleft\" src=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/CCI19012016_0002-300x197.png\" alt=\"CCI19012016_0002\" height=\"197\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/CCI19012016_0002-300x197.png 300w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/CCI19012016_0002-768x503.png 768w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/CCI19012016_0002.png 975w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Mein Credo lautet: \u201eLiebevoll ger\u00fchrt, schmeckt besser&#8220; Bei uns ist tats\u00e4chlich noch alles Handarbeit. Unser erster L\u00e4uterbottich bestand aus einem Plastikeimer und einem St\u00fcck Fliegengitter. Dieser Herangehensweise sind wir uns treu geblieben. Selbst das Malz schroten wir nach wie vor in Handarbeit. Am Ende schmeckt man genau das, davon bin ich \u00fcberzeugt. Es ist ein gro\u00dfer Unterschied, ob jemand wirklich am Sudkessel steht und r\u00fchrt und damit eine Beziehung zu seinem Bier hat oder alles vollautomatisiert vonstattengeht. In den Gro\u00dfbrauereien sitzt der Braumeister vor Computerbildschirmen und bekommt sein Bier meist gar nicht mehr zu Gesicht. In vielen dieser Braufabriken gibt es wahrscheinlich nicht einmal mehr einen Bezug zum Kunden. Das ist es letztlich ja auch, was unsere kleineren Brauereien vor Ort in Erlangen ausmacht. Hier hat man noch eine enge Beziehung zum Bier und zu dessen Liebhabern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Genau diese Liebe zur heimischen Braukultur kommt auch im Verein zur F\u00f6rderung der Fr\u00e4nkischen Braukultur zum Ausdruck. Was ist Ihr Anliegen?<\/em><\/span><br \/>\nUnser Verein ist ein Zusammenschluss von Hobbybraugruppen aus Erlangen und Umgebung, der sich zum Ziel gesetzt hat, sich f\u00fcr die Handwerkskunst des Brauens und das Kulturgut Bier einzusetzen. Schlie\u00dflich haben wir bei uns vor der T\u00fcr in der Fr\u00e4nkischen Schweiz die gr\u00f6\u00dfte Brauereidichte der Welt und zudem war Erlangen in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts die Bierhauptstadt. \u201eErlanger&#8220; war weltweit gefragt und ist auch heute noch in vielen L\u00e4ndern ein Begriff. Durch den Import von Industriebieren aus anderen Gebieten Deutschlands und der Welt ist dieses einzigartige Paradies aber gef\u00e4hrdet. Unsere Brauereivielfalt zu bewahren und in Erlangen wieder aufleben zu lassen, das ist uns ein Anliegen. Wir wollen den Menschen wieder n\u00e4her bringen was es bedeutet, wirklich Bier zu brauen. In den Bieren aus den gro\u00dfen Brauereikonzernen findet man schlie\u00dflich nicht mehr viele individuelle Geschmackstoffe. Diesen geht es vorrangig darum, dass das Bier m\u00f6glichst lange haltbar ist und immer gleich schmeckt, egal ob es den ganzen Tag in der Sonne gestanden hat oder nachts fast gefroren ist. Die Tatsache, dass Bier aber eigentlich ein ausschlie\u00dfliches Naturprodukt ist, das lebt, ist vielen Menschen heute deswegen leider nicht mehr wirklich bewusst. Trotz des Reinheitsgebots, das auf so gut wie allen Flaschen festgehalten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>In diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Reinheitsgebot. Warum ist dieses f\u00fcr Sie auch heute noch aktuell und nicht altmodisch?<\/em><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_433\" aria-describedby=\"caption-attachment-433\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-433\" src=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Brauen-Malzsorten-IMG_0273-300x225.jpg\" alt=\"Es gibt sehr viele unterschiedliche Malzsorten\" height=\"225\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Brauen-Malzsorten-IMG_0273-300x225.jpg 300w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Brauen-Malzsorten-IMG_0273-768x576.jpg 768w, https:\/\/vierbrau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Brauen-Malzsorten-IMG_0273.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-433\" class=\"wp-caption-text\">Es gibt sehr viele unterschiedliche Malzsorten<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich stellt der Begriff &#8222;Bier,&#8220;&#8218; etwas Besonderes dar. Es ist doch immer wieder beeindruckend, dass man aus den wenigen Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser eine solche Vielfalt an verschiedenen Getr\u00e4nken herstellen kann, ohne irgendetwas dar\u00fcber hinaus hinzuzugeben. Wenn man Bier braut, sollte man auch heute noch diesen Anspruch haben. Denn diese Besonderheit macht das Bier doch letztlich zu dem, was es ist. Das ist sein Wesensgehalt. Wenn jemand experimentieren m\u00f6chte, bitte. Nur sollte man dann nicht mehr den Anspruch haben, dieses Getr\u00e4nk dann Bier nennen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Ihr Verein wird anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums am 23. April, dem Tag des deutschen Bieres, ein gro\u00dfes Fest auf die Beine stellen. Wie werden Sie das Reinheitsgebot feiern?<\/em><\/span><br \/>\nWir wollen den Tag nicht nur nutzen, um das Reinheitsgebot zu feiern. Angesichts der fulminanten Biergeschichte unserer Stadt haben wir uns gedacht, dass es nicht sein kann, diesen Tag einfach an Erlangen vor\u00fcbergehen zu lassen. Gemeinsam mit den Erlanger Brauereien Kitzmann und Steinbach, sowie der Frauenauracher Klosterm\u00e4lzerei und der wiedergegr\u00fcndeten Weller eG m\u00f6chten wir Gro\u00df und Klein vor Augen f\u00fchren, wo sie eigentlich sind: an geschichtstr\u00e4chtiger St\u00e4tte, in der Bierstadt Erlangen. Auf dem Schlossplatz werden wir als Verein daf\u00fcr ein Schaubrauen veranstalten und die Biergeschichte von deren Anf\u00e4ngen darstellen &#8211; denn Bier ist eines der \u00e4ltesten alkoholischen Getr\u00e4nke der Menschheit. Die Brauereien werden nat\u00fcrlich selbst auch ihre T\u00fcren \u00f6ffnen. Unter anderem wird es im Botanischen Garten zudem Interessantes rund um die Hopfenpflanze zu entdecken geben. Das Stadtarchiv wird insbesondere nochmals die Tradition von Erlangen als Bierstadt in den Fokus r\u00fccken und die Stadtwerke d\u00fcrfen nat\u00fcrlich auch nicht fehlen, denn sie liefern mit dem Wasser die Grundlage des Bieres.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><em>Welches Bier trinken Sie selbst am liebsten?<\/em><\/span><br \/>\nM\u00e4rzen, das Frauenbier schlechthin und jenes, mit dem ich gro\u00df geworden bin (lacht). \u00dcbrigens auch das erste Bier, das wir selbst gebraut haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">To Petra \u201eWilly&#8220; Paulsen beer has always been more than a means to quench one&#8217;s thirst. To her beer symbolizes a certain attitude towards life. As a hobby brewer she lives this attitude severaI times per year. She and her group of friends are brewing their own beer four times each year.<br \/>\nAnd every time it&#8217;s a big festival: &#8222;We meet up already in the morning in our garden. We grill, drink a barrel from last year and the kids are also joining. Everybody is joining and stirs in the brewing kettles. Some are staying the whole day, some just do the cleaning afterwards\u201d. The brewing also works as a connection between people. Petra discovered her love for beer during a tour at the Kitzmann brewery, which she won in 1997. &#8222;The guided tour and the included demonstrations impressed me a lot\u201d she said. Before that experience she did not exactly know what is behind the process of brewing beer. She only knew about the saying &#8222;Hopfen und Malz, Gott erhalt&#8217;s&#8220; \/ &#8222;ln heaven there is no beer, that is why we drink it here\u201d. OnIy a couple of weeks later, when she found out about the course for brewing beer at the local adult education center she fell for it. &#8222;To me it was incredible that everything 1 saw and learned during the tour at the brewery, I can also do at home\u201d, she said.<br \/>\nAs a board member at the union for the support of the Franconian brewing culture, Petra Paulsen also promotes the cultural value of beer, and helps not to forget about the fact that once Erlangen was the most famous place concerning beer. On April 23rd, the &#8222;Day of the German beers\u201d, the union is planning to have a big festival in Erlangen on occasion of the anniversary of the &#8222;Reinheitsgebot&#8220; (purity law): Together with the brewerys in Erlangen we want to show young and old where they are: at a place steeped in history, the city of beer Erlangen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus: ERLANGEN Bier- und Braukultur 2016 Interview mit Petra Paulsen im &#8222;ERLANGEN Bier- und Braukultur Magazin 2016&#8220; F\u00fcr Petra \u201eWilly\u201c Paulsen ist Bier mehr als ein Mittel zum Zweck, um den Durst zu l\u00f6schen. F\u00fcr sie steckt im Gerstensaft ein ganzes Lebensgef\u00fchl. Dieses lebt die Hobbybrauerin mehrmals im Jahr selbst aus. 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